Sicherheit: Totaler Datenverlust durch Ignoranz

Was würde passieren, wenn Sie, von der einen auf die andere Sekunde, alle ihre digitalen Daten verlieren? Diese Frage beschäftigte mich vor einigen Jahren aufgrund eines großen Datenverlustes. Wie ist der Zufall so will, kam alles was kommen konnte auch zusammen. Oder was meinen Sie, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Computer, der über eine Überspannungssteckdose mit Strom versorgt wird durch eine Spannungsspitze zerstört wird? In meinem Fall handelte es sich um einen Stromausfall in meiner Straße, während der Computer an in Betrieb war. Da ich leidenschaftlich fotografiere, weiß ich wie wichtig ein Backup meiner Daten ist. Filme, Musik all die Dinge, die wir uns täglich kaufen, sind ersetzbar. Die wichtigen Momente auf Fotos, sind in solch einem Fall, unwiederbringlich verloren. Aus diesem Grund wurden diese Daten von mir auch auf einem externen USB Laufwerk gesichert. Ein Backup der Daten wurde in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen auf das USB-Laufwerk gesichert. So auch, zu dem Zeitpunkt des Stromausfalls.

Da ich zu dieser Zeit noch nicht die Mittel hatte um mir ein mehrstufiges Backup-System leisten zu können, musste die Lösung mit der externen Festplatte ausreichen. An Cloud-Anbieter wie Dropbox oder Google Drive dachte in den 2000ern noch niemand. Ein Backup auf einem Webserver wäre möglich gewesen, mit einer 16 MBit DSL-Leitung,  dauert eine Übertragung von mehreren 100 GB an Daten, sehr sehr lange. Mal ganz abgesehen davon, dass Speicherplatz zu dieser Zeit noch sehr teuer war.

Datenverlust trotz Backup

Nun werden Sie sich fragen, wie es denn zu diesem Datenverlust trotz der Vorsichtsmaßnahmen kam. Wie gesagt, es ist alles passiert, was passieren kann. Murphies Law eben. Die Überspannungssteckdose hatte wohl einen Defekt. Sobald der Strom wieder da war, wurde mein PC, samt externer Backup Festplatte von einer Spannungsspitze getroffen. Neben dem Mainboard hatte es auch den Arbeitsspeicher sowie die interne Festplatte erwischt. Gut, dass ich ein Backup der Daten erstellt hatte. Moment, da war doch was. Wie gesagt, Murphies Law. Wie es dazu kam, dass ein Großteil der Hardware inkl. der darauf gespeicherten Daten weg war, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Danach wurde mir allerdings bewusst, was ich alles verloren hatte.

Ein Fotoarchiv mit Fotos aus 5 Jahren, akribisch mit Photoshop Lightroom archiviert und bearbeitet. Musik und Filme1, persönliche Unterlagen wie Bewerbungsunterlagen, Zeugnisse, waren  weg. Nun sind Daten wie Musik, Filme und offizielle Dokumente kein großer Verlust. Das einzige was man investieren muss um diese Daten wieder zu bekommen, ist Zeit.

World Backup Day

Nicht nur mir erging es so. Auf reddit stateten einige User  vor einigen Jahren eine Initiative. Der „World Backup Day“, welche jedes Jahr am 31. März abgehalten wird. Das Ziel ist, bei den Menschen ein Bewusstsein für Backups zu wecken. Laut der Initiative haben 30% aller Computerbenutzer noch nie ein Backup ihrer Daten erstellt. Darüber hinaus werden 1 von 10 Computern monatlich mit Schadsoftware infiziert. Weitere Informationen zum World Backup Day erhalten Sie hier.

Abb. 1 - Percentage of internet users who use cloud-based storage or backup services in the United States 2011

Abb. 1 – Percentage of internet users who use cloud-based storage or backup services in the United States 2011 | Quelle: Statista.com

Diese Statistik aus dem Jahre 2011 zeigt, dass sehr wenige Anwender überhaupt Backups einsetzen.

Mögliche Szenarien für Datenverlust

Szenario 2 – Locki / Ransomware

Das eingangs beschriebene Szenario ist nur eines von vielen Möglichkeiten. In den vergangenen Monaten kursiert im Internet sogenannte Ransomware. Hier handelt es sich um Software, welche innerhalb von kurzer Zeit, alle wichtigen Dateien (z. B. Office Dokumente, Bilder o. ä.) verschlüsselt. Bekannt wurde diese Ransomware durch Locki. Dateien mit der Dateiendung .locki, sind ohne das passende Entschlüsselungswerkzeug, nicht mehr zu gebrauchen. Die Software fordert anschließend ein Lösegeld für den Entschlüsselungscode ihrer Dateien. Die Bezahlung erfolgt, wie bei vielen Illegalen Geschäften im Internet üblich, mit Bitcoins. Ein Beispiel über die Auswirkungen von Ransomware ist die Gde. Dettelbach in Bayern. Hier blieb der Kommune, aufgrund fehlender Backups, nichts anderes übrig, als das Lösegeld zu bezahlen2.

Szenario 3 – Höhere Gewalt

Wie die Initaitive auf ihrer Website des World Backup Day ausführt, handelt es sich in 29% der Fälle von Katastrophen um Unfälle, also um höhere Gewalt (vgl. Eingangsszenario). Wenn mein Haus also von einem Hurricane oder mein Computer von einer Flut zerstört wird, dann sollten wichtige Backups auch an anderen Orten aufbewahrt werden.

Szenario 4 – Diebstahl / Verlust

In jeder Minute werden ca. 115 Mobiltelefone verloren oder gestohlen. Auch Laptops und Tablets sind bei Dieben sehr begehrt. Eine Backupstrategie für Mobilgeräte ist daher ratsam. Viele Hersteller bieten von Haus aus Möglichkeiten, gestohlene Geräte wiederzufinden oder über das Internet zu sichern oder zu löschen. Apple bietet z. B. mit Find my Mac / Iphone / Ipad / Apple Watch eben so einen Dienst an. Auch andere Hersteller wie Samsung oder Google, ermöglichen einen ähnlichen Funktionsumfang.

Anbieter von Cloud-Backup-Lösungen

Im Gegensatz zu den 2000ern ist Speicherplatz heute günstig wie nie zuvor. So erhält man für ein paar Euro im Jahr schon mehrere 100 GB / TB an Cloud-Speicher. Mit Anbietern wie MicrosoftGoogle, Dropbox, iDrive oder Apple’s iCloud, sind hier nur ein paar Unternehmen genannt. Beim speichern von privaten Daten im Internet, spielen allerdings auch noch weitere Aspekte wie die Verschlüsselung der Daten eine wichtige Rolle. Denn auch solche Dienste waren in der Vergangenheit oft Ziel von Angriffen. Der größte Vorteil einer solchen Cloud-Sicherung ist, dass diese Dienste selbst ein internes Backup der Daten, teilweise sogar mit Versionierung, betreiben.

Die passende Backup-Strategie wählen

Die perfekte Backup-Strategie gibt es schlichtweg nicht, jeder muss individuell entscheiden, welche Möglichkeiten der Technik er mit seinem Budget nutzen kann und wie paranoid er beim speichern seiner Daten ist. Eine Kombination aus klassischen Methoden (Festplatten-Raid-Verbund) und externen Backup-Anbietern (Cloud-Speicher), sind eine gute Methode um gegen die meisten Szenarien gewappnet zu sein. Auf eine Sicherung auf optischen Datenträgern wie CDs, DVDs, Bluerays etc. sollte, zumindest wenn es um längere Zeiträume geht, weitgehend verzichtet werden. Viele kostengünstige Datenträger, werden von der Zeit in Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus, sind diese Datenträger sehr anfällig für Kratzer, welche ein Auslesen der Daten oft verhindern.

Backup-Software

Es gibt viele Anbieter von kommerzieller Backup-Software. Diese Programme verfügen meist über eine schöne Benutzeroberfläche und erleichtern die Arbeit bei der Erstellung von Backups, vor allem für nicht versierte Anwender. Was viele Computer-Benutzer aber nicht wissen, ist dass nahezu jedes derzeit auf dem Markt erhältliche Betriebssystem, sei es Microsoft Windows, macOS oder Linux, bereits native Backup-Programme mitbringen. Ein Beispiel hierfür habe ich in dem Artikel „Tägliches Backup mit Robocopy erstellen“ beschrieben. Windows bietet aber auch eine grafische Benutzeroberfläche mit der Windows Sicherung an. Apple hingegen verfolgt das gleiche Prinzip, allerdings etwas marketingwirksamer mit der Time Machine. Linux enthusiasten werden über die Bash bereits einige Backupskripte geschrieben haben, aber auch Anwender mit weniger Erfahrung finden in Ubuntu z.B. eine Möglichkeit über eine grafische Oberfläche Backups zu erstellen. Zu den kommerziellen Anbietern zählen z. B. Paragon, Acronis, Symantec, Ashampoo.

Abschließende Worte

Abschließend bleibt mir nur noch Ihnen den Eid, der World Backup Day Initiative ans Herz zu legen:

“Ich schwöre feierlich, am 31. März ein Backup meiner wichtigen Dokumente und wertvollen Erinnerungen zu machen.”

Ich werde auch meine Freunde und meine Familie über den „World Backup Day“ informieren – Freunde lassen Freunde nicht ohne Backup steh’n.

 

1 Apple: Hier muss ich besonders den Apple Kundenservice positiv erwähnen. Da ich trotz der Sicherung auf mehrere DVDs einen Großteil meiner iTunes-Bibliothek verloren habe (siehe defekte optische Datenträger). Stellte mir Apple meine iTunes-Bibliothek noch einmal zum Download bereit. Dateien, welche iTunes nicht mehr im Programm führte, wurden mir anstandslos gut geschrieben. Vielen Dank also noch einmal an dieser Stelle.

2Artikel: Zum ersten Mal zahlt eine Stadtverwaltung Lösegeld

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